Nietzsche Next Generation

P1030036Was ist Geschichte? Wer oder was macht Geschichte? Wer schreibt Geschichte und zu welchem Zweck? Die philosophische Auseinandersetzung mit der Historie ist ein Denken über die Bedeutung von Erinnerung.

Bei NIETZSCHE NEXT GENRATION fand diese Philosophie einen neuartigen Ausdruck mit den Mitteln der Kunst. Das Ergebnis der dreimonatigen Auseinandersetzung mit Friedrich Nietzsches Zweiter unzeitgemäßen Betrachtung: Vom Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben war ein temporäres, interaktives Museum: Das Neue National-Museum X-Berg.

Der Text diente den Kindern als Ausgangspunkt, von dem aus sie sich mit der persönlichen Perspektive auf die eigene Geschichte auseinandersetzen konnten. Nietzsches Einteilung der Auffassungsmöglichkeiten von Geschichte als „monumentalische“, „antiquarische“ und „kritische“ Historie waren für die Kinder intellektuelle Werkzeuge, mit denen sie anhand ihres subjektiven Blicks auf die eigene und die sie bedingende Vergangenheit einen persönlichen Geschichtsentwurf konstruieren konnten. 15 Kinder der 6. Klasse aus der Jens-Nydahl-Schule analysierten die „großen Erzählungen“, führten Interviews in ihrem konkreten Lebensumfeld und besuchten Museen. Sie erforschten aus einem interkulturellen Horizont heraus den Zusammenhang zwischen Nietzsches Text, der aktuellen Form von Geschichtsschreibung und den eigenen Erinnerungen. Darüber hinaus besuchten sie den Philosophen und Künstler Bazon Brock in seiner Denkerei am Oranienplatz.


In der Abschlusspräsentation wurden die unterschiedlichen kleinen Geschichten zu einem neuartigen Historienbild zusammengefügt. Es entstand eine Weltgeschichte, die aus verschiedenen Blickwinkeln zugleich erzählt wurde: eine Überlagerung unterschiedlicher Perspektiven von Projektteilnehmern und Besuchern, die interaktiv an der Gestaltung des Museums beteiligt waren. Der daraus entstandene Geschichtsentwurf war eine Mischung aus bekannten historischen Gegebenheiten und den Erinnerungen der Kinder, die ihr eigenes Leben betrafen. Beim wortwörtlichen „Bau“ der „Historienskulptur“ spielten Nietzsches Begriffe von „Erinnern“ und „Vergessen“ und die Menge bzw. das „schwere Gewicht“ historischer Fakten eine Rolle. Wie viel Geschichte kann ein Mensch (er)tragen?
Jeder Stein verwies auf ein bedeutsames historisches Ereignis, ein geschichtsträchtiges Individuum, einen persönlichen Gegenstand des Teilnehmers, eine bahnbrechende Idee usw. Die Steine demonstrierten auch die „Schwere“ von Geschichte und den Verlust von Dynamik eines historischen Prozesses, der sich vom Leben entfernt hat. Zugleich ließen sie sich verrücken und zeigten damit die Flexibilität von Geschichtsschreibung. Sie konnten umgestellt, anders angeordnet und zueinander neu in Beziehung gesetzt werden. Die Steine ließen sich entweder komplett aus dem Kurzzeitmuseum entfernen oder von außen hinzufügen. So entstanden verschiedene Geschichtsschreibungen, je nach Perspektive und Bedarf.

dT1hSFIwY0Rvdkx6TmpMV2R0ZUMxc2FYWmxMbk5sY25abGNpNXNZVzR2YldGcGJDOWpiR2xsYm5RdmFXNTBaWEp1WVd3dllYUjBZV05vYldWdWRDOWtiM2R1Ykc5aFpDOTBZWFIwTUY4eE5DMHRMWFJ0WVdreE5EaGlOR0ZtWm1GbU16UTNPREV6Tz
Das temporäre Museum war, wie der Name schon sagt, ein einmaliges Ereignis. Das Neue National-Museum X-Berg wurde somit selbst zu einem Stück Geschichte. An dieser Geschichte durfte jeder Besucher teilhaben, indem er am Ende der Präsentation einen Stein mit nach Hause nahm.